Mit dem Ende der Mainstream-Wartung für SAP BW 7.5 im Jahr 2027 beginnt für viele Unternehmen eine Phase strategischer Neuorientierung. Auf unserer Tagung “Future of SAP Data & Analytics” tauschten sich kürzlich rund 150 Data & Finance Professionals aus SAP-Anwenderunternehmen aus. Eins wurde deutlich: Das Ende von SAP BW ist kein rein technischer Meilenstein. Es ist ein Trigger, Datenarchitektur, Analytics und AI-Fähigkeiten neu zu ordnen.
Carsten Bange brachte es in seiner Keynote auf den Punkt: „Wir beobachten eine Zeitenwende. BW-Ende ist nicht das Problem. Es zeigt, dass Unternehmen ihre Datenstrategie und ihre Architektur grundsätzlich neu ausrichten müssen“.
Warum Unternehmen jetzt handeln müssen
Der Handlungsdruck ist real und strategisch relevant
- 2027 / 2030 betrifft die Stabilität zentraler Berichts- und Steuerungsprozesse
- AI-Ambitionen und Use Cases lassen sich schwerer umsetzen, weil Unternehmen in der Praxis fast immer ein Hybrid-Setup managen müssen (SAP + Partnerplattformen).
- S/4HANA-Programme: In vielen Organisationen betrachten ERP-Teams BW als “nachrangig”. Für das Top-Management bleibt es aber ein wesentlicher Risikotreiber, weil Reporting und Steuerung typischerweise daran hängen.
Kosten sind bereits heute ein Treiber. Spätestens ab 2027 verschärft sich der Effekt. Unternehmen berichten sehr unterschiedliche Kostenbilder:
- BW-Landschaften (inkl. Testsysteme, Betrieb, Wartung) können sehr teuer sein.
- BDC kann günstiger sein, aber nur mit klarer Governance, sauberer Nutzung und kontrollierten Workloads.
- Hybrid kann leistungsfähig sein, wird aber ohne eindeutige Verantwortlichkeiten schnell teuer (Parallel-Stacks, doppelte Semantik, doppelte Pipelines).
Wettbewerbsvorteile entstehen nicht durch Technologie, sondern durch Architektur und Operating Model.
Der Tenor der SAP-Anwender war eindeutig: Automation, AI und Data Products funktionieren nur mit einer stabilen semantischen Grundlage (Definitionen, KPIs, Rollen, Zugriff, Change-Prozess) und einem Operating Model, das diese Basis dauerhaft betreibt.
Die drei strategischen Architekturpfade
1) SAP-zentriert (BW/4HANA oder Business Data Cloud)
Für Unternehmen, die primär im SAP-Ökosystem bleiben wollen (Integration, SAP-nahe Governance). Sie gewinnen damit vor allem Stabilität und Kohärenz, müssen aber mit geringerer Flexibilität rechnen. Entscheidend sind das SAP-Zielbild und der Reifegrad.
2) Non-SAP Architektur (z. B. Databricks, Snowflake, Fabric)
Für Unternehmen mit starkem Fokus auf Advanced Analytics und AI-Workloads oder geringem SAP-Datenanteil. Das ermöglicht hohe Innovationsgeschwindigkeit. Gleichzeitig steigen die Integrationsanforderungen sowie die Verantwortung für Semantik und Access außerhalb von SAP.
3) Hybrid (SAP + Partnerplattformen). Trend, aber mit offenen Fragen
Praxisbeispiele zeigen: SAP wird oft für Semantik, BI und Kernprozesse positioniert. Partnerplattformen liefern für Geschwindigkeit für AI, Data Science und Engineering. Das kann „best of both worlds“ liefern. Viele Unternehmen prüfen aber erst, ob BDC diese Kombination tatsächlich abbildet, unter anderem wegen „Zero Copy“-Versprechen in Richtung Databricks und Snowflake.
Das Wesentliche in Kürze
- Das größte Risiko liegt selten in der Technologie, sondern in der Organisation. Fehlende End-to-End-Verantwortung führt zu Backend-Silos. Das erzeugt Reibung und kostet Geschwindigkeit.
- „Zero Copy“ ist ein relevantes Versprechen, muss sich aber in der Praxis beweisen. Ob es funktioniert, hängt von Workload, Governance, Performance-Anforderungen, Security-Setup und Tooling ab. Die zentrale Frage lautet: Was replizieren wir? Was virtualisieren wir? Wo liegt die Wahrheit (Semantik)?
- AI stiftet nur dort Wert, wo Rollen, Datenlogik und Nutzung klar geregelt sind. Joule, SAC, Copilot, Databricks – das ist ohne gemeinsame semantische Basis und klare Rollen nur „Tool-Energie“, aber kein Werthebel.
- CxOs müssen drei Roadmaps synchronisieren: S/4HANA, Datenarchitektur und AI-Strategie. Isolierte Entscheidungen erzeugen Reibungsverluste über Jahre und führen oft zu Parallel-Stacks.
Was Entscheider jetzt tun sollten (12–24 Monate)
- Zielarchitektur bewusst festlegen: SAP, Hybrid oder Non-SAP (nicht “weiterfahren”).
- Semantik und Governance klären: Wer verantwortet Definitionen und KPIs, Modelle, Data Products und Access?
- BW-Bestandsanalyse durchführen: Was ist kritisch? Was kann weg? Was gehört ins operative System, was in neue Datenprodukte?
- Pilotiert modernisieren: schnell Wert schaffen, früh lernen, Kosten messen und steuern.
- Transformation synchronisieren: S/4HANA mit Datenarchitektur und AI als ein gemeinsam gesteuertes Programm.
Fazit
Das Ende von SAP BW ist ein strategischer Prüfpunkt für jede Datenorganisation. Unternehmen, die jetzt bewusst entscheiden, gewinnen:
- mehr Steuerbarkeit über Kosten (statt Überraschungen durch Parallel-Stacks)
- schnellere Umsetzbarkeit von AI und Automation
- höhere organisatorische Klarheit (Ownership, Entscheidungsrechte)
- geringere Integrations- und Lock-in-Risiken
- mehr Handlungsfähigkeit für datengetriebene Fähigkeiten
Executive Call-to-Action
Wenn Sie klären möchten, welche Zielarchitektur (SAP, Hybrid, Non-SAP) zu Ihrer Unternehmensstrategie passt, unterstützen wir Sie im Executive-Dialog. Wir ordnen Optionen neutral ein. Inklusive Implementierungspartnern und Plattform-Ökosystemen.
Wir bieten:
- Orientierung zu Architekturpfaden (inkl. Vor-/Nachteile je Kontext)
- Bewertung von Kosten, Risiken und Optionen
- Governance- & Semantik-Assessment
- Abhängigkeiten zu S/4HANA und AI-Strategie
- Entscheidungsvorlage für Vorstand/Geschäftsführung
- Optionenvergleich von Implementierungspartnern, Hyperscalern und relevanten Plattformpartnern