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BI-Strategie neu ausrichten: Wie BI-Teams bessere Entscheidungen ermöglichen

Lesezeit: 10 Minuten
Aktualisiert am: 17. August 2026

Die Business-Intelligence-Landschaft (BI-Landschaft) steht. Snowflake oder SQL Server im Backend, Power BI oder Tableau im Frontend, Dashboards für Vertrieb, Finance, Operations und Management. Die Investition ist getätigt, die Plattform läuft stabil, das Reporting ist verlässlicher als noch vor fünf Jahren.

Und trotzdem kommt in Geschäftsleitungssitzungen regelmäßig dieselbe Frage auf den Tisch: Warum dauert es immer noch so lange, bis wir eine belastbare Antwort haben? Und im Nebensatz fällt noch der Satz, dass sie den Daten kaum vertrauen.

Häufig fehlt die Verbindung zwischen Daten und Entscheidungen. Trotzdem fließt das nächste Investitionspaket vielerorts bereits in KI. Die eigentliche Lücke bleibt bestehen. Genau hier muss die BI-Strategie neu ansetzen.

Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von Reporting zu Decision Enablement, also zur gezielten Unterstützung besserer Geschäftsentscheidungen. BI-Teams werden nicht weniger wichtig. Ihre Rolle wird anspruchsvoller.

Eine Beobachtung aus einem laufenden Projekt

Ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis, anonymisiert: ein familiengeführtes Industrieunternehmen, rund 2.500 Mitarbeitende, über 500 Millionen Euro Umsatz, über 50 Tochtergesellschaften.

Das Unternehmen hat vor rund anderthalb Jahren gemeinsam mit einem externen Partner eine moderne Datenplattform eingeführt und darauf ein Vertriebsreporting aufgebaut. Erhebliches Budget, erhebliche interne Kapazität, sauber umgesetzt. Das Reporting funktioniert technisch einwandfrei.

Und trotzdem: Bis belastbare Vertriebszahlen für eine Entscheidung vorliegen, vergehen mehrere Wochen. Ein fachlicher Owner für das Reporting war nicht benannt. Bis heute wird die Plattform im Wesentlichen für diesen einen Anwendungsfall genutzt. Kennzahlen existieren parallel in mehreren Systemen, ohne dass verbindlich geklärt wäre, welche Definition gilt.

Statt diese Lücke zu schließen, startete das Unternehmen das nächste Investitionsthema: KI. „Mit den Daten sprechen“, natürlichsprachige Auswertungen, ein digitaler Vertriebskanal auf derselben Datenbasis.

Dieses Muster begegnet mir in Gesprächen und Projekten immer häufiger: Weil das Reporting die Entscheidungsfrage nicht beantwortet, legt das Unternehmen die nächste Technologieschicht darüber. Ohne benannten Business Owner, ohne geklärte Semantik und ohne dokumentierte Datenqualität wird KI widersprüchliche oder fachlich unsichere Antworten nur schneller produzieren.

Warum reicht die klassische Dashboard-Rolle nicht mehr aus?

Viele BI-Teams wurden lange daran gemessen, wie schnell sie Berichte liefern, wie stabil die Plattform läuft und wie viele Anforderungen sie abarbeiten. Diese Rolle hatte ihren Wert. Unternehmen brauchten gemeinsame Kennzahlen, verlässliche Reports und eine technische Basis für analytische Arbeit.

Der Engpass liegt heute seltener im Zugang zu Daten. Er liegt in der Übersetzung von Daten in Entscheidungen. Ein Vertriebsleiter braucht nicht die nächste Ansicht mit Umsatz, Marge und Rabattquote. Er braucht eine belastbare Antwort auf die Frage, welche Rabattlogik Wachstum bringt, ohne das Finanzergebnis zu beschädigen.

Genau hier verändert sich die BI-Rolle. Aus Report-Bauern werden Entscheidungspartner. Aus Dashboard-Backlogs werden kuratierte Datenprodukte. Aus Self-Service ohne gemeinsame Sprache wird semantische Governance.

Was hat Self-Service BI in vielen Unternehmen nicht gelöst?

Self-Service BI hat ein reales Problem adressiert: Fachbereiche wollten nicht wochenlang auf jeden Bericht warten. Sie wollten selbst analysieren, variieren und visualisieren. Tools wie Power BI und Tableau haben diese Arbeit stark vereinfacht.

Viele Unternehmen haben dabei Toolzugang mit Entscheidungsfähigkeit verwechselt.

Wenn jeder eigene Kennzahlen baut, entstehen schnell mehrere Wahrheiten. Wenn Datenmodelle nicht gepflegt werden, wandern Logiken in einzelne Reports. Wenn Ownership fehlt, bleibt unklar, wer eine Kennzahl fachlich verantwortet. Dann wächst die Zahl der Dashboards, aber nicht die Qualität der Entscheidungen.

Die Zahlen aus dem BARC BI & Analytics Survey 26 stützen diesen Befund deutlich. 84 Prozent der befragten Unternehmen setzen heute Dashboards und BI-Anwendungen produktiv ein. Der Verbreitungsgrad ist also hoch. Beim erzielten Nutzen sieht das Bild anders aus: Nur 19 Prozent der Befragten geben an, bessere Geschäftsentscheidungen mit ihrer BI-Lösung vollständig erreicht zu haben. Der am häufigsten genannte Nutzen bleibt schnelleres Reporting und schnellere Analyse. Der Nutzen liegt damit vor allem in der schnelleren Produktion von Auswertungen und weniger in einer höheren Entscheidungsqualität.

Gleichzeitig zeigt der Survey, wo die Befragten den Handlungsbedarf sehen. Als sehr wichtig bewerten sie Data Security and Privacy (66 Prozent), Data Quality Management (62 Prozent), eine Data-Driven Culture (51 Prozent) sowie Data & AI Governance (44 Prozent). Generative AI für Data & Analytics kommt in dieser Bewertung auf 22 Prozent.

Die Prioritäten liegen also nicht bei mehr Toolfreiheit und auch nicht bei der nächsten KI-Schicht, sondern beim Fundament. Ein weiterer Wert passt ins Bild: Im Durchschnitt nutzen nur rund ein Viertel der Mitarbeitenden BI überhaupt aktiv, der Median liegt sogar bei knapp 17 Prozent. Toolzugang allein führt also weder zu einer breiten Nutzung noch zu besseren Entscheidungen.

Self-Service funktioniert nur, wenn BI-Teams die gemeinsame Sprache dafür liefern. Das betrifft Kennzahlen, Datenprodukte, semantische Modelle, Zugriffsregeln und Verantwortlichkeiten. Ohne diese Basis wird Self-Service zur Schattenlogik mit schöner Oberfläche.

Was bedeutet Decision Enablement für BI-Teams?

Decision Enablement heißt: BI-Teams entwickeln nicht nur analytische Inhalte. Sie helfen Führungskräften, Entscheidungen sauber zu strukturieren, mit Daten abzusichern und in messbare Wirkung zu übersetzen. Das wird in der Praxis schnell konkret.

Ein klassisches BI-Team beantwortet Fragen wie:

  • Was ist passiert?
  • Warum ist es passiert?
  • Welche Kennzahl ist gestiegen oder gefallen?
  • Welcher Bereich weicht vom Plan ab?

Ein Decision-Enablement-Team arbeitet an anderen Fragen:

  • Was wird wahrscheinlich passieren?
  • Welche Stellhebel verändern das Ergebnis?
  • Welche Annahmen liegen hinter dem Szenario?
  • Welche Entscheidung fördert Wachstum und Effizienz oder senkt Risiken?
  • Welche Daten sind verlässlich genug, um diese Entscheidung zu stützen?

Diese Rolle verlangt mehr Nähe zum Geschäft. BI-Teams müssen verstehen, welche Entscheidungen in Vertrieb, Finance, Supply Chain oder Management tatsächlich anstehen. Sie müssen wissen, welche Kennzahlen steuerungsrelevant sind und wo Zahlen nur Aktivität messen.

Das verändert auch die Beziehung zum Management. Das BI-Team wird früher in den Prozess einbezogen und hilft, die Entscheidungsfrage richtig zu stellen.

Fünf Fragen für eine entscheidungsorientierte BI-Strategie

Wer bessere Entscheidungen will, muss BI früher einbinden und anders messen. Fünf Fragen helfen dabei zu prüfen, ob die BI-Landschaft eine belastbare Entscheidungsgrundlage bietet.

  1. Welche Managemententscheidungen sind heute zu langsam, zu unsicher oder zu stark von Bauchgefühl geprägt? Diese Entscheidungen sind der bessere Ausgangspunkt als jede Dashboard-Wunschliste. Wer sie nicht benennen kann, wird auch mit der nächsten Plattform keine bessere Entscheidungsqualität erzeugen.
  2. Welche Kennzahlen und Datenprodukte müssen dafür verbindlich definiert sein? Hier zeigt sich, ob die vorhandene BI-Landschaft eine gemeinsame Sprache hat oder nur viele Ansichten. Wenn in Meetings noch geklärt werden muss, ob Umsatz, Nettoerlös oder Auftragseingang gemeint ist, fehlt die Grundlage.
  3. Wer übernimmt fachliche Verantwortung für Definitionen, Qualität und Nutzung? Ohne benannten Business Owner bleibt jede Governance unverbindlich. Ownership ist keine Rolle im Organigramm, sondern eine Zuständigkeit mit Zeitbudget.
  4. Wie lange dauert es heute von der Managementfrage bis zur belastbaren Antwort? Diese Durchlaufzeit ist eine aussagekräftige BI-Kennzahl. In meiner Beratungspraxis wird sie selten gemessen. Wenn ein Unternehmen sie erhebt, überrascht das Ergebnis fast immer.
  5. Woran würden wir merken, dass unsere nächste Daten- oder KI-Investition gewirkt hat? Wenn die Antwort „mehr Nutzer“ oder „mehr Use Cases“ lautet, wird das Ergebnis wieder hinter den Erwartungen zurückbleiben. Die Antwort muss eine Entscheidung benennen, die schneller, sicherer oder günstiger getroffen wird.

Für die Neuausrichtung der BI-Strategie brauchen BI-Teams ein Mandat, Entscheidungen aktiv mitzugestalten und die dafür erforderlichen Kennzahlen bereitzustellen.

Warum werden Datenprodukte wichtiger als einzelne Reports?

Reports beantworten häufig eine konkrete Frage zu einem bestimmten Zeitpunkt. Datenprodukte schaffen eine wiederverwendbare Grundlage für viele Fragen.

Ein Datenprodukt kann zum Beispiel ein kuratiertes Vertriebsdatenmodell sein, das Kunden, Produkte, Rabatte, Absatzmengen, Margen und Forecasts verbindet. Es hat definierte Ownership, dokumentierte Logiken, geprüfte Qualität und klare Nutzungskontexte. Darauf können Reports, Self-Service-Analysen, Planungsmodelle oder Natural-Language-Interfaces aufbauen.

Damit wird BI skalierbarer. Teams müssen nicht für jede Anfrage eine neue Lösung entwickeln. Sie investieren stärker in belastbare Bausteine, die mehrfach nutzbar sind.

Für Führungskräfte zählt das, weil Datenprodukte die Zeit zwischen Frage und Entscheidung verkürzen. Wenn die Semantik stimmt, muss niemand in jedem Meeting neu klären, ob Umsatz, Nettoerlös oder Auftragseingang gemeint ist. Wenn Qualitätsanforderungen und Verantwortlichkeiten geklärt sind, kann sich die Diskussion schneller auf die Handlungsoptionen konzentrieren.

Datenprodukte verbinden wiederverwendbare Daten mit klarer Ownership, dokumentierter Logik und definierten Qualitätsanforderungen. Damit lösen sie ein altes BI-Problem: zu viele Auswertungen, zu wenig gemeinsame Entscheidungsgrundlage.

Welche Rolle spielt semantische Governance?

Semantische Governance legt fest, was Kennzahlen bedeuten, wer sie verantwortet und in welchem Kontext sie genutzt werden dürfen. Sie ist der Teil von Governance, den Fachbereiche unmittelbar spüren.

Ohne semantische Governance bleibt BI anfällig für drei Probleme:

  1. Mehrdeutige Kennzahlen: Teams nutzen denselben Begriff, meinen aber unterschiedliche Berechnungen.
  2. Verteilte Logik: Geschäftsregeln stecken in einzelnen Reports, Excel-Dateien oder lokalen Datenmodellen.
  3. Unklare Verantwortung: Niemand entscheidet verbindlich, welche Definition gilt.

Natural-Language-Analysen und KI-gestützte Interfaces verschärfen diese Probleme. Wenn ein Nutzer eine Frage in natürlicher Sprache stellt, muss das System wissen, welche Entitäten, Kennzahlen und Filter gemeint sind. Sonst klingt die Antwort plausibel, bleibt aber fachlich unsicher.

Semantische Governance wird damit zur Voraussetzung für Natural-Language-Analysen. Sie verbindet Business-Sprache mit Datenlogik. An dieser Schnittstelle können BI-Teams mehr Wert schaffen als in der reinen Report-Produktion.

Wie verändert Natural Language die Arbeit mit BI?

Natural Language senkt die Einstiegshürde zur Analyse. Nutzer können Fragen formulieren, statt Filter zu setzen, Felder zu ziehen oder SQL zu schreiben. Das hilft besonders Führungskräften, die keine Zeit in Toolnavigation investieren wollen.

Der größere Effekt sind neue Fragetypen. Während klassisches Reporting zeigt, was passiert ist, können Natural-Language-Analysen Simulationen, Prognosen und Szenarioanalysen unterstützen, wenn Datenbasis, Modelle und Governance dafür reif genug sind.

Ein Beispiel aus der Vertriebssteuerung:

Eine Führungskraft fragt nicht nur: „Wie hat sich der Umsatz im letzten Quartal entwickelt?“ Sie fragt: „Was passiert mit Absatz, Marge und Finanzergebnis, wenn wir für Produktgruppe A in Region Süd einen Rabatt von 5 Prozent gewähren?“ Die Antwort braucht historische Daten, Preislogiken, Elastizitäten, Planannahmen und Finanzwirkung. Damit wird aus einer Dashboard-Frage eine Entscheidungsfrage.

BI-Teams schaffen für solche Szenarien ein Entscheidungsmodell, dem Führungskräfte vertrauen können.

Welche Fähigkeiten müssen BI-Teams jetzt aufbauen?

Der Rollenwechsel betrifft Technologie, Fähigkeiten, Arbeitsweise und Selbstverständnis.

BI-Teams brauchen künftig vor allem fünf Fähigkeiten:

  1. Business-Framing Teams müssen Entscheidungsfragen aus dem Geschäft verstehen und präzisieren können. Aus „Wir brauchen ein Dashboard“ wird dann: „Welche Entscheidung soll damit besser getroffen werden?“
  2. Datenprodukt-Management Datenprodukte brauchen Ownership, Roadmaps, Qualitätskriterien, Nutzerfeedback und Lebenszyklusmanagement. Das ist näher an Produktarbeit als an Ticketbearbeitung.
  3. Semantische Modellierung Kennzahlen, Dimensionen, Hierarchien und Geschäftsregeln müssen so modelliert werden, dass Menschen und Maschinen sie konsistent nutzen können.
  4. Governance in der Praxis Governance darf nicht nur als Regelwerk existieren. Sie muss in Datenmodellen, Freigabeprozessen, Rollen und Werkzeugen wirksam werden.
  5. Szenario- und Wirkungsdenken BI-Teams müssen stärker verstehen, wie Entscheidungen die Geschäftsergebnisse beeinflussen. Dazu gehören Treiberbäume, Planung, Simulation und ein Grundverständnis von finanzieller Wirkung.

Diese Fähigkeiten ersetzen klassische BI-Kompetenzen nicht. Datenmodellierung, Visualisierung, Performance, Security und Plattformbetrieb bleiben wichtig. Der Unterschied liegt in der Gewichtung. Technische Exzellenz muss stärker auf Entscheidungen ausgerichtet werden.

Warum werden BI-Teams wichtiger?

KI, Natural Language und moderne Analysewerkzeuge verändern die BI-Arbeit. Sie automatisieren Teile der klassischen Report-Produktion. Genau deshalb wird die fachliche und semantische Arbeit wichtiger.

Wenn mehr Nutzer direkt mit Daten sprechen, muss die Datenbasis verlässlicher werden. Wenn Systeme Vorschläge machen, müssen Annahmen, Grenzen und Verantwortlichkeiten klarer sein. Wenn Führungskräfte Szenarien live simulieren wollen, müssen Kennzahlen, Modelle und Datenprodukte belastbar zusammenwirken.

BI-Teams stehen damit vor einer klaren Entscheidung. Sie können weiter eine wachsende Report-Fabrik betreiben. Oder sie entwickeln sich zu Teams, die Entscheidungen vorbereiten, absichern und verbessern.

Die Rolle als Entscheidungspartner ist anspruchsvoller, liegt aber näher am Wertbeitrag, den Unternehmen von Daten erwarten.

Fazit: Die Zukunft von BI liegt nicht im nächsten Dashboard

Die Neuausrichtung der BI-Teams beginnt mit einer unbequemen Einsicht: Mehr Dashboards bedeuten nicht automatisch bessere Entscheidungen. Viele Unternehmen haben genügend Reports. Was fehlt, ist eine belastbare Verbindung zwischen Daten, Geschäftslogik und konkretem Handeln.

Decision Enablement beschreibt diese neue Aufgabe. BI-Teams bauen dafür Datenprodukte, sichern Semantik und Governance, ermöglichen Natural-Language-Analysen und helfen Führungskräften, Szenarien zu bewerten. Damit übernimmt BI eine direkte Rolle bei der Vorbereitung und Absicherung von Managemententscheidungen.

Wenn Unternehmen heute in BI oder KI investieren, sollten sie deshalb zuerst fragen: Welche Entscheidungen wollen wir verbessern, und welches BI-Team brauchen wir dafür?

Welche Ihrer Daten- und KI-Initiativen leisten einen nachvollziehbaren Beitrag zu Ihren Geschäftszielen?
Wenn mehrere Vorhaben parallel laufen, wird es schwierig, Investitionen zu priorisieren und Verantwortlichkeiten klar festzulegen. BARC hilft Ihnen, Ihre Ausgangslage unabhängig einzuordnen und den nächsten sinnvollen Schritt zu bestimmen.

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