BARC-Kommentar: Übernahme von Vanguard Software durch Wolters Kluwer

Letzten Freitag hat Wolters Kluwer angekündigt, Vanguard Software für etwa 110 Mio. USD (Cash) zu übernehmen. Nach der Akquisition von Tagetik im Jahre 2017 ist dies bereits die zweite größere Übernahme eines CPM-Anbieters durch Wolters Kluwer. Wir sehen dies als einen sinnvollen Schritt aus mehreren Gründen an:

  • Vanguard ist ein Spezialist für operative Planung mit Fokus auf Sales, Operations und Supply Chain, während Tagetik aus dem klassischen Financial Performance Management Umfeld kommt (Finanzplanung und Konsolidierung). Damit folgt Wolters Kluwer dem Trend zu Integrated Planning & Analytics (IP&A) und stärkt sein Produktportfolio gegenüber Wettbewerbern wie Anaplan, Jedox oder Board.
  • Vanguard hat früh in AI-basiertes „Predictive Planning“ investiert, ein Feld in dem Tagetik erst am Anfang steht.
  • Geographisch gesehen hat Tagetik – als ursprünglich aus Italien stammender Anbieter – eine starke Basis in Europa, während Vanguard überwiegend in Nordamerika verbreitet ist.
  • Tagetik ist fokussiert auf den gehobenen Mittelstand sowie große Unternehmen und dort stark im Bereich Konzernplanung und Konsolidierung im Einsatz, den ursprünglichen Kernthemen der Lösung. Tagetik hat in den letzten Jahren investiert, um das Produkt auch für operative Szenarien attraktiv zu machen – Vanguard kann diesen Prozess beschleunigen und helfen, Zielgruppen zusätzlich zu den bisherigen Kernthemen zu adressieren.

Wir erwarten, dass Wolters Kluwer die Angebote von Tagetik und Vanguard recht bald zu einem gemeinsamen CPM-Angebot integriert, inklusive einem gemeinsamen Vertrieb, Marketing und abgestimmter Produktentwicklung. Wolters Kluwer hatte bei der Akquisition von Tagetik ein gutes Händchen bei der kulturellen Integration bewiesen, einem der wesentlichsten post-merger Schlüsselfaktoren.

Eine Integrationsherausforderung stellt sicherlich die Technik dar: Obwohl beide Produkte einen Fokus auf die Amazon Cloud haben (AWS), so unterscheiden sie sich in Sachen Datenbank- und Frontend-Architektur deutlich. Wir erwarten zunächst eine erste Integration auf Prozessebene, bevor eine tiefere technische Integration der Backends angegangen wird.

Der Preis von 110 Mio. USD erscheint hoch für ein Unternehmen mit 40 Mitarbeiter:innen und etwas mehr als 7 Mio. USD Umsatz, was ein Umsatzmultipel von mehr als 15 ergibt. Dies reflektiert den derzeitigen Trend zu Integrated Planning & Analytics ebenso wie die generell gute Konjunktur für CPM-Lösungen. Vanguard als 1995 gegründetes Unternehmen hat in den letzten Jahren einen konsequenten und mutigen Schritt zu einem cloudfokussierten Unternehmen gemacht – und dies hat sich für die Anteilseigner offensichtlich ausgezahlt.

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